Can Tho

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Am frühen Morgen in Can Tho

Wer sich an den letzten Blogeintrag erinnert, der um 4 Uhr am Morgen in Can Tho geendet hat, fragt sich sicherlich: Was macht man denn nun um diese Zeit in Can Tho?! – Schlaf nachholen! Wir konnten trotz der frühen Stunde glücklicherweise jemanden in unserem AirBnB erreichen und konnten für ein paar Euro mehr sofort einchecken. Auf dem Weg vom Busbahnhof ins Zentrum von Can Tho mussten wir aber mal wieder feststellen, dass viele Vietnamesen echte Frühaufsteher sind. Auf den Straßen herrschte geschäftiges Treiben, die ersten Marktstände waren bereits aufgebaut und einige Suppenküchen hatten geöffnet.

Wir kletterten müde in unser Hochbett und holten ein paar Stunden unbedingt nötigen Schlaf nach, bis uns der Hunger weckte. Nach einer erfrischenden Dusche gingen wir los, um die Stadt ein bisschen zu erkunden und unseren Hunger zu stillen. Can Tho ist die größte Stadt im Mekong Delta und liegt am Ufer des Mekongs, die Lebensader Südvietnams. Das Leben der Menschen hier spielt sich noch immer sehr am und auf dem Fluss ab. Da die Böden sehr fruchtbar sind, wird viel Obst und Gemüse angebaut, dass zum Teil immer noch auf schwimmenden Märkten verkauft wird. Can Tho ist ein beliebter Ausgangsort für Bootstouren zu diesen schwimmenden Märkten und durch kleine Seitenkanäle des Mekongs.

Erkundungstour in Can Tho

Unsere Unterkunft war nicht weit vom Mekong entfernt, weshalb uns unsere Erkundungstour erst einmal dorthin führte. Kaum waren wir an der Promenade angekommen, sprach uns auch schon eine Frau an. Da wir dachten, dass sie uns eine Bootstour anbieten wollte, waren wir schon dabei abzulehnen. In Vietnam wird man sehr häufig angesprochen und meistens sind es Taxifahrer oder Touranbieter. Die Frau stellte sich aber als Englischlehrering vor und fragte, ob wir uns nicht ein paar Minuten mit ihren Schülern unterhalten möchten. Ruck zuck waren wir von einer Traube Kinder zwischen 7 und 13 Jahren umgeben, die ihre eingeübten Englischsätze ausprobieren wollten.

Gefühlt wurden es immer mehr Kinder und wir wiederholten mindestens zwanzig Mal unseren Namen, unser Alter, woher wir kommen und was unsere Lieblingsfarbe ist. Allen gerecht zu werden war gar nicht so leicht! Nach 30 Minuten entschuldigten wir uns, mittlerweile hatten wir richtig Hunger! Schnell wurden noch ein paar Erinnerungsfotos mit uns geschossen und dann zogen wir weiter. Um möglichst schnell auf Essen zu stoßen, entschieden wir uns es in der Food-Street, in der ein Restaurant an das nächste grenzt, zu versuchen. Dort entschieden wir uns für Banh Xeo, die vietnamesischen Reismehlpfannkuchen, die wir in Zentralvietnam lieben gelernt hatten. Diese waren im Süden aber ganz anders als wir sie bisher kannten, weniger knusprig, viel dünner und deutlich größer. Außerdem wickelte man sie nicht in Reispapier sondern in Salatblätter. Ganz lecker, aber nicht so gut wie bisher.

Can Tho an sich machte einen ganz netten Eindruck, aber allzu viel gab es dort nicht zu sehen. Wir schlenderten noch ein bisschen durch die Straßen, tranken einen Kaffee und machten es uns dann in unserem Zimmerchen gemütlich. Draußen regnete es sich sowieso ein. Wir hofften nur, dass sich das Wetter am nächsten Tag wieder bessern würde, denn wir hatten in unserer Unterkunft eine Bootstour zu den schwimmenden Märkten gebucht.

Bootstour durchs Mekong Delta

Am nächsten Morgen hieß es wieder früh aufstehen, denn unsere Bootstour startete noch vor Sonnenaufgang um 5 Uhr. Wir trafen unseren Guide, der auch noch etwas verschlafen wirkte und gingen zur Promenade. Dort wartete bereits unsere Bootsführerin und wir drei kletterten in das Boot. Vor uns lagen ca. 30 Minuten Fahrt zu einem großen schwimmenden Markt. Auf dem Wasser war es noch sehr friedlich, der Horizont färbte sich langsam orange-rot während die Sonne aufging und die Temperatur war noch sehr angenehm. Auch der Regen hatte sich wieder verzogen! Was für ein gemütlicher Start in den Tag!

Am Markt angekommen herrschte schon ordentlich Betrieb! Der Markt war eher eine Art Großmarkt. Dort ankerten viele große Boote und auf diesen Booten leben zum Teil ganze Familien. Jedes Boot bietet unterschiedliche Produkte an. Häufig wird pro Boot nur ein Produkt verkauft. Die Produkte, die von einem Boot verkauft werden, hängen einige Meter über dem Boot gut für alle sichtbar an einer Stange. Die Familien kommen aus unterschiedlichen Regionen des Deltas, um ihre Produkte auf dem Markt zu verkaufen und ankern dort häufig für eine Tage/ Wochen. Die Käufer auf dem schwimmenden Markt sind meist nur Zwischenhändler und verkaufen die erstandenen Waren auf den lokalen Märkten in den Dörfern und Städten. Das alles erklärte uns unser Guide, während uns unsere Bootsführerin gekonnt zwischen den Marktbooten und den anderen Touristenbooten hindurch manövrierte.

Ein paar kleinere Booten verkaufen zudem Getränke und Essen an die Touristenboote. Auch wir stoppten, um einen Kaffee und eine frische Kokosnuss zu kaufen. Danach hielten wir an einer schwimmenden Garküche und kauften unser Frühstück: eine südvietnamesische Nudelsuppe mit Reisnudeln, die allerdings etwas glibberig waren. Ansonsten schmeckte es aber sehr lecker!

Nachdem wir noch ein wenig das Treiben beobachtet hatten, ging es weiter zu einer Nudelfabrik. Hier sahen wir uns an, wie diese glibberigen Reisnudeln, die wir zuvor zum Frühstück hatten, hergestellt werden. Von dort aus fuhren wir gemütlich durch kleinere Seitenkanäle des Mekongs vorbei am dicht bewachsenen Ufer. Außer uns waren dort kaum andere Boote unterwegs und es war, bis auf das Motorengeräusch sehr ruhig. Als es zu regnen anfing, wurde schnell ein Dach aus Planen über das Boot gespannt. Wir quatschen ein bisschen mit unserem Guide, der ungefähr in unserem Alter war und ziemlich gut Englisch sprach. Nach einer Weile ging es dann zurück nach Can Tho.

Auf nach Ho Chi Min

Die restliche Zeit verbrachten wir ziemlich entspannt in Can Tho mit Kaffee trinken, Spazieren gehen und Essen, bevor wir wieder unsere Rucksäcke packten und uns auf den Weg zum Busbahnhof machten. Um 11:30 startete unser Bus nach Ho Chi Min, unserer letzten Station in Vietnam!


Unser Fazit zu Can Tho: Can Tho ist eine recht verschlafene und unaufgeregte Stadt im Mekong Delta, in der es neben dem Mekong selbst nicht viel zu sehen gibt. Der schwimmende Markt, den wir besuchten, war etwas Besonderes, das wir so bisher noch nicht gesehen hatten! Leider hat er aber auch schon etwas von seinem Charm eingebüßt, da er und die dorthin angebotenen Bootsfahrten, inzwischen sehr touristisch ausgelegt sind. Wir haben sehr viel Schlechtes von den Touren gehört („Verkaufstouren“), aber hatten mit unserem Guide Glück. Wir haben uns gut mit ihm unterhalten und einiges über das Leben im Delta erfahren. Hat man nicht allzu viel Zeit in Vietnam, könnte man unserer Meinung nach Can Tho mit seinen schwimmenden Märkten getrost überspringen.


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