Hue

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„Taxi, Sir?“ – „No, thank you!“

Nach einer kurzen Zugfahrt kamen wir gegen Mittag am Bahnhof von Hue an und wie immer wurden wir von einer wilden Meute Taxifahrer empfangen. Diese boten uns während wir uns zum Bahnhofsvorplatz durchkämpften sogleich mit Freude ihre Dienste an, die wir freundlich, aber bestimmt ablehnten. Denn wir hatten ein Airbnb gebucht und die Gastgeber bestanden darauf, uns vom Bahnhof abzuholen.

Ein paar nervenaufreibende Minuten mussten wir dort am Bahnhofsvorplatz allerdings noch warten und die Taxifahrer wollten nicht verstehen, dass wir ihre Dienste nicht benötigten. Ständig kam wieder ein Fahrer und bot seine Dienste an (wahrscheinlich in der Hoffnung, dass wir irgendwann genervt aufgeben würden). Was war es für eine Genugtuung als nach ca. 10 Minuten unsere Gastgeber angedüst kamen und wir uns mit unseren Rucksäcken auf dem Rücken hinten auf die Roller der Beiden schwangen! Nachdem wir Platz genommen hatten, rauschten wir das erste Mal auf Rollern durch den verrückten vietnamesischen Verkehr und mussten manchmal schon kurz die Luft anhalten! Wohlbehalten kamen wir bei dem schönen Airbnb an und entschieden uns unseren Aufenthalt von drei auf fünf Nächte zu verlängern.

Hue, die alte Kaiserstadt

Hue war einst Hauptstadt und Sitz der Kaiser der Nguyen-Dynastie (1802-1945) und liegt am bekannten Parfüm-Fluss. Heute kann man die alte kaiserliche Zitadelle auf der nördlichen Uferseite besichtigen, was wir natürlich auch taten. Ein Großteil der Anlage wurde leider während des Vietnam-Kriegs zerstört, da sogar innerhalb der Mauern Gefechte ausgetragen wurden. Seit 1993 zählt die Zitadelle zum UNESCO-Weltkulturerbe und damit hat auch die Restaurierung und Nachbildung einiger der Gebäude begonnen. An vielen Ecken wird noch gebaut, einige Gebäude und Gärten waren aber wiederhergestellt und toll anzusehen. Dadurch konnten wir erahnen wie riesig und prunkvoll die Anlage früher wohl gewesen sein musste!

Wir betraten die Anlage durch das riesige Haupttor, das ordentlich was hermachte und kamen direkt zu einem der wichtigsten Gebäude: der Halle der Harmonie. Hier fanden Zeremonien und kaiserliche Audienzen statt. Wir schlenderten weiter an anderen Gebäuden entlang, vorbei an Souvenirshops und einem Saal, in dem man sich als Kaiser verkleidet fotografieren lassen konnte (auf Wunsch auch mit verkleideten Konkubinen). Wir kamen in die verbotene purpurfarbene Stadt, einem Bereich der dem Kaiser und seiner Familie (vor allem seinen zahlreichen Konkubinen) vorbehalten war und erfuhren hier ein wenig über das Leben am Hof. Die ganze Anlage wirkte sehr friedlich, große Bäume spendeten Schatten und immer wieder kamen wir durch schön angelegte Gärten.

Nach dem laufintensiven Besuch der Zitadelle (das Gelände ist sehr weitläufig) war es Zeit für ein Mittagessen und wir fanden in der Nähe der Zitadelle ein Restaurant, in dem wir uns durch ein paar Spezialitäten Hues probierten. Danach spazierten wir gestärkt zurück zu unserer Unterkunft, die auf der südlichen Uferseite lag. Den Nachmittag verbrachten wir entspannt in einem kühlen Cafe.

Erkundungstour in Hue

An den anderen Tagen erkundeten wir entspannt die Innenstadt von Hue, die auf der südlichen Uferseite liegt. Es gibt eine Vielzahl an Cafes, Restaurants, Bars und Karaoke-Clubs (eine große Leidenschaft der Vietnamesen!). Alles ist schon sehr auf Touristen ausgelegt und so viel wie hier, wurden wir in Vietnam bisher nicht angesprochen. Taxifahrer, Rollertouranbieter, Restaurantmitarbeiter, Drogendealer, alle boten uns ihre Dienste an!

Besonders am Wochenende war viel los in Hue. Die Straßen der Innenstadt wurden am Abend für den Verkehr gesperrt und wir konnten entspannt durch die Straßen flanieren. Auf der Hauptkreuzung spielte eine Band und in den Restaurants und Bars war es proppenvoll. Ein paar Mal wurden wir von Kindern und Jugendlichen angesprochen, die am Abend in den Straßen gezielt Touristen ansprachen, um ihr Englisch zu üben!

Wir besuchten auch das Ho Chi Minh Museum, in dem der Lebensweg von Ho Chi Minh, der einen Teil seiner Kindheit und Jugend in Hue verbracht hat, dargestellt ist. Die Ausstellung war ganz nett, länger als 30 Minuten hielten wir es dort aber nicht aus, denn in dem Gebäude war es viel zu heiß und eine Klimaanlage gab es nicht! Der Eintritt war zum Glück kostenlos!

Kulinarische Highlights

Auch kulinarisch hatte Hue einiges zu bieten. Wir probierten Bun Bo Hue (eine leichtscharfe Nudelsuppe mit Rindfleisch und Shrimpspaste) in unterschiedlichen Garküchen und fanden die beste auf einem Parkplatz gegenüber unserer Unterkunft.

Essen des Eintrags

Name:

Bún Bò Huế

Beschreibung:

Suppenspezialität aus Hue: leicht scharfe Nudelsuppe mit klarer Brühe, fermentierter Shrimpspaste und unterschiedlichen Fleisch-/Fischeinlagen, garniert wird das Ganze mit frischen Kräutern und dünngeschnittenen Bananenblüten

Gründe:

Klingt komisch, schmeckt aber fantastisch und ist mit der Shrimpspaste eine tolle Abwechslung zur klassischen Pho, Schärfe kann wie immer mit hausgemachter Chilipaste variiert werden

Bewertung:

Schärfe:

Wo:

Bún Bò Huế Bà Xuân

Die schönste Bahnstrecke Vietnams

Unser nächstes Ziel war das Städtchen Hoi An, das selbst keinen Bahnhof hat. Wir fuhren also mit dem Zug nach Da Nang und von dort weiter mit einem Stadtbus nach Hoi An. Die Zugstrecke von Hue nach Da Nang gilt als eine der schönsten Vietnams, da sie zum Teil direkt an der Küste entlangführt und man den Wolkenpass, die Wettergrenze von Nord- und Südvietnam, überquert. Der Ausblick auf die felsige Küste, kleine versteckte Sandstrände und die grünen Hügel war toll (von Norden kommend unbedingt einen Sitzplatz auf der linken Seite wählen)!

In Da Nang waren es vom Bahnhof nur ein paar Minuten zu Fuß zur Bushaltestelle. Nach ein paar Minuten kam der richtige Bus. Wir winkten dem Fahrer, sonst hält der Bus nicht, der fuhr kurz ran und die Türen flogen auf. Wir stiegen zügig ein und wurden auf zwei Sitzplätze verfrachtet. Die Tickets kauften wir bei der Fahrtkarten-Kontrolleurin, die zusätzlich für die Auslieferung der Post/ Pakete zuständig war. In Vietnam ist es wohl üblich, dass Busse gleichzeitig als Kurierdienst/Post fungieren, weswegen es nicht verwunderlich war, dass überall Kartons und Säcke herumlagen. Auch eine Lieferung an Spielzeugautos (die Großen zum Reinsetzen) musste mit nach Hoi An und war im hinteren Teil des Busses verstaut. Nach ca. 1,5 Stunden kamen wir in Hoi An.


Unser Fazit zu Hue: In Hue kann man auf jedenfall einen Zwischenstopp einlegen. Es ist ganz süßes, kleines Städtchen mit einigen Sehenswürdigkeiten und leckerem Essen, aber auch einigen Touristen. Abseits der Hauptstraßen und der bekannten Sehenswürdigkeiten findet man auch sehr ruhige Ecken!


Weitere Eindrücke aus der Kaiserstadt