Taman Negara

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Taman Negara ist einer der bekanntesten Nationalparks Malaysias und einer der ältesten Regenwälder der Welt (ca. 130 Mio. Jahre). Das Dorf Kuala Tahan liegt am Rande des Nationalparks, am Ufer des Flusses Tembeling (der Fluss bildet die natürliche Grenze zwischen Dorf und Nationalpark) und ist der bekannteste Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark.

Anreise nach Kuala Tahan

Von Langkawi nach Kuala Tahan gibt es keine direkte Verbindung, weswegen sich unsere Anreise etwas langwieriger gestaltete. Zu der schon nicht so guten Verbindung kam noch unsere eigene Dummheit dazu, weswegen wir mit der Fähre zurück nach Georgetown fahren mussten (wir hatten unseren Kameraakku und das dazugehörige Ladegerät im Hostel vergessen). Von dort konnten wir dann einen Bus nach Kuala Lumpur nehmen. Dieser hatte zwei Stunden Verspätung, sodass wir erst nach Mitternacht in KL ankamen und dort doch zwei Nächte blieben (geplant war nur eine Nacht). Den Tag in KL nutzten wir für ein paar Besorgungen und am Tag darauf fuhren wir von KL nach Jerantut. Mit einem Minivan ging es von dort zu einem Bootsanleger, von wo aus wir drei relativ entspannte Stunden mit einem Boot nach Kuala Tahan fuhren. (Von Jerantut aus kann man auch mit einem lokalen Bus innerhalb einer Stunde nach Kuala Tahan fahren.)

Zwei-Tagestour in den Dschungel

Nach unserer Ankunft bezogen wir unser Zimmer in einem kleinen Guesthouse, gingen am Abend in einem der schwimmenden Restaurants am Flussufer essen und erkundigten uns in einem Hostel nach einer Zwei-Tagestour in den Dschungel (mit Übernachtung in einer Höhle). Wir erfuhren, dass in nächster Zeit nur am nächsten Morgen um 9 Uhr eine Tour starten würde. Wir hätten zwar gerne einen vollen Tag im Dorf verbracht, um die Gegend ein bisschen zu erkunden, aber gut, dann ging es eben schon am nächsten Morgen in den Dschungel! (Es gibt auch einige Wege im Nationalpark, die ohne Guide begangen werden können. Daran wollten wir uns eigentlich vor der längeren Tour einmal ausprobieren.)

Wir machten uns schnell auf den Rückweg, um unsere Sachen zu packen und möglichst früh schlafen zu gehen, denn die nächsten zwei Tage sollten ein bisschen anstrengender werden. Nachdem wir die Packfragen geklärt hatten (Was braucht man alles? Kurze oder lange Hose? Kamera, ja/nein? Sind unsere Tagesrucksäcke groß genug?) und uns für „weniger ist mehr“ entschieden hatten, schließlich musste auch noch Proviant in den Rucksäcken verstaut werden, gingen wir doch ganz schön aufgeregt ins Bett! Unsere großen Rucksäcke und restlichen Sachen konnten wir zum Glück im Guesthouse lassen.

Was nimmt man mit zu einer Dschungeltour?

Um kurz vor 9 Uhr am nächsten Morgen machten wir uns nervös auf den Weg zum Treffpunkt und lernten dort unseren Guide Tam kennen. Als wir sahen, was wir noch alles im Rucksack verstauen mussten, waren wir überzeugt, dass unsere Rucksäcke zu klein waren, zumal einige unserer fünf Mitstreiter aus Panik ihre großen Rucksäcke vollgepackt hatten! Tam versicherte uns nach einem prüfenden Blick, dass das passt und tatsächlich, kurz darauf hatten wir alles in unseren Tagesrucksäcken verstaut! Am meisten hatte unser zierlich wirkender Guide zu schleppen, er verschwand fast unter seinem riesigen Rucksack, der laut seiner Aussage „nur“ ca. 20kg wog!

Nachdem alle fertig gepackt hatten, fuhren wir mit einem kleinen Boot ans andere Flussufer und registrierten uns im Büro der Nationalparkverwaltung. Wir mussten alles (!) was wir in den Dschungel mitnahmen in einer Liste eintragen. Ob wir auch alles wieder aus dem Dschungel mit zurückbrachten, wurde allerdings am nächsten Abend nicht kontrolliert. Währenddessen war ein bisschen Zeit unsere Mitstreiter kennenzulernen: vier Mädels aus UK und ein Amerikaner.

Endlich geht’s los!

Nachdem alles erledigt war, stiegen wir in ein anderes Boot und fuhren ca. 1,5h flussaufwärts zum Startpunkt des Trails. Während der Fahrt verspeisten wir unser Mittagessen (Bratreis) und entspannten noch ein bisschen! Am Startpunkt angekommen, frischten wir alle unser Moskitospray auf. Tam sagte, dass das auch Blutegel abhalten könnte. Also trugen einige besonders viel Spray auf ihre Schuhe und Socken auf. Nur Tam und ich (Fabi) ließen das sein, da wir kurze Hosen trugen. Blutegel sind auch eigentlich nicht schlimm, da sie einfach abfallen nachdem sie vollgefuttert sind und keine Krankheiten übertragen. Und dann ging es endlich los! Das heutige Streckenziel betrug ungefähr 9km.

Auf den Spuren wilder Tiere

Wow, was für eine verrückte Vorstellung, durch einen ca. 130 Millionen Jahre alten Regenwald zu wandern, unser Guide Tam voraus und wir im Gänsemarsch hinterher. Er blieb immer wieder stehen und zeigte uns etwas. Kleine Tiere, die er entdeckt hatte, riesige Rattanbüsche, die ähnlich wie Bambus aussehen, aber sehr scharfe Stacheln haben, einen Ipoh-Baum, dessen Harz giftig und für Mensch und Tier tödlich ist und eine riesige Würgefeige, ein sehr faszinierender Baum! Dieser kann im Kronendach eines anderen Baums keimen und bildet mit der Zeit Luftwurzeln aus, die in Richtung Waldboden wachsen (am Stamm des Wirtsbaums und frei in der Luft). Der Wirtsbaum wird dadurch regelrecht stranguliert und seine Blätter werden durch das schnellwachsende Kronendach der Feige beschattet und verdrängt. Das führt zum langsamen Absterben des Wirtsbaums, was Jahre dauern kann, und der Würgefeige die Zeit gibt, ein stabiles Wurzelgeflecht auszubilden. Eine sehr kluge Strategie, da es im Dschungel am Boden meist einen Mangel an Sonnenlicht gibt.

Tam entdeckte auch einige Tierspuren, wie Fußabdrücke (vielleicht von einem Bären oder einem Tiger) und Elefantenkot, der aber schon ca. 4 Monate alt war. Diese Tiere sollen wirklich dort im Nationalpark leben, die Chance sie zu sehen ist aber sehr gering. Tam hat in seinen 11 Jahren als Guide zwei Mal einen Tiger gesehen, eine Herde Elefanten etwas häufiger. Aber alleine die Vorstellung, dass wilde Tiere auf den gleichen Pfaden wie wir gegangen sind oder sich vielleicht sogar irgendwo im dichten Grün verstecken, ist schon ziemlich krass!

Der Pfad war ganz gut zu gehen, es gab kaum Steigung, aber wie immer im Dschungel war es heiß und schwül, sodass wir schnell ins Schwitzen kamen. Wir legten immer mal wieder kurze Verschnaufpausen ein und wurden dann aber sofort von Bienen umschwirrt. Im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass es sich um Schweißbienen handelt, die von Schweiß angelockt werden und aus diesem wichtige Nährstoffe aufnehmen können. An sich harmlose Tierchen, aber trotzdem waren die Pausen dadurch nicht ganz so entspannt. Auch von Blutegeln waren wir bisher verschont geblieben!

Candlelight Dinner in der Höhle

Nach ungefähr fünf Stunden hatten wir es geschafft und standen vor dem Eingang der Höhle, unserem Nachtlager. Die Höhle war gigantisch und als wir ankamen war noch niemand anderes dort. In dieser Nacht sollte glücklicherweise nur noch eine andere Gruppe dazukommen! Im August können es wohl bis zu 100 Leute pro Nacht werden – zum Glück waren wir im Juni dort!

Wir haben in der Höhle unser Nachtlager aufgebaut, uns im kleinen Fluss vor der Höhle ein bisschen gewaschen und frische Klamotten angezogen. Das war ein super Gefühl! Währenddessen hat Tam Tee gekocht und ein sehr leckeres Abendessen gezaubert! Im Kerzenschein haben wir uns das Hähnchencurry mit Reis und den Gemüseeintopf schmecken lassen. Zum Dessert zauberte Tam einen Bananenkuchen aus seinem Rucksack hervor, der für große Begeisterung sorgte und restlos aufgefuttert wurde!

Nachtwanderung im Dschungel

Nach dem Abendessen gingen wir mit Tam auf eine kleine Nachtwanderung durch den Dschungel! Bewaffnet mit Taschenlampen beobachteten wir direkt am Höhleneingang die erste giftige Spinne und einige Fledermäuse, die auch in der Höhle leben. Sehr beruhigend! In den Felsspalten vor der Höhle lebten einige handflächen-große Skorpione, die im Schwarzlicht fluoreszierten und eine Schlange. Und so ging es weiter, hier eine giftige Spinne und dort noch mehr Skorpione. Für eine Weile sollten wir unsere Taschenlampen ausmachen und einfach nur der Geräuschkulisse lauschen, die in der Nacht deutlich lauter war als am Tag! Es war stockfinster und mit dem Wissen, dass überall giftige Tiere sitzen könnten, war das eine ziemlich beängstigende Angelegenheit! Wir stellten auch fest, dass Tam, der sonst sehr gelassen wirkte, doch etwas angespannter war (er wusste sicher, was sich sonst noch so zwischen den Blättern verstecken könnte)! Letztendlich entfernten wir uns nicht weiter als 30 Meter vom Höhleneingang.

Wir kehrten nach einer halben Stunde in die Höhle zurück und krochen langsam in unsere Schlafsäcke, als Tam meinte: „Seht mal, dort sind zwei Stachelschweine“. Die schauen wohl regelmäßig in der Höhle vorbei auf der Suche nach etwas Essbarem.

Eine harte Nacht

Die Nacht war deutlich besser als erwartet. Trotz des harten, unebenen Bodens haben wir ein paar Stündchen geschlafen und waren am nächsten Morgen einigermaßen fit. Tam – er hat uns wirklich verwöhnt – kochte Kaffee/ Tee und bereitete Frühstück zu, während wir unsere Sachen zusammengepackten. Nach dem Frühstück haben wir das Lager abgebaut und uns auf den Weg gemacht. Heute standen 8km auf dem Plan und die Strecke sollte etwas hügeliger werden. Da es in der Nacht ein bisschen geregnet hatte, war der Boden etwas matschiger als am Vortag.

Hilfe Hornissennest!

Während einer Verschnaufpause verkündete Tam, dass wir gleich zu einem Hornissennest kommen würden, an dem jeder einzeln und leise vorbeigehen müsste, um die Hornissen nicht aufzuschrecken. Na das waren ja super Neuigkeiten. Kurz darauf trafen wir den Rest der anderen Gruppe, die auf das „Go“-Signal ihres Guides warteten. Plötzlich hörten wir lautes Geschrei: „NO! NO! BACK! BACK!“ Wir schauten uns alle erschrocken an! Das machte die ganze Situation nicht besser! Tam ging schließlich vor und rief uns einzeln. Langsam und leise gingen wir den Pfad entlang (wir wussten nicht mal wo genau das Nest war), bis wir ein leises „Left“ hörten. An einer Stelle mussten wir den Pfad nach links verlassen. Daher also die Schreie, das hatte wohl jemand nicht mitbekommen. Jetzt konnte uns Tam auch das Nest zeigen. Die Hornissen hatten dieses direkt neben dem Pfad im Boden gebaut. Nachdem es alle heil überstanden hatten, ging es weiter.

Mittagspause auf einer Insel

Tam legte an diesem Tag ein ganz schönes Tempo vor und wir kamen gut ins Schwitzen. Durch den Regen war es an manchen Stellen wirklich ziemlich rutschig und durch das Auf und Ab war es anstrengender als am Vortag. Nach ein paar Stunden kamen wir schließlich an einen Bach und legten auf einer kleinen Insel unsere Mittagspause ein (auf der Insel gibt es keine Blutegel!). Bis auf die Schweißbienen, die uns sofort gerochen hatten, war es sehr idyllisch! Tam empfahl uns, die T-Shirts im Bach zu waschen, was alle direkt machten. Das half wirklich gegen die Bienen! Währenddessen hat er ein leckeres Mittagessen für uns gekocht. Nach der Stärkung waren wir bereit für das letzte Stück – noch ca. 1,5h bis zum Bootsanleger.

We did it!

Das letzte Stück war echt anstrengend und wir setzten alle nur noch einen Fuß vor den anderen. Endlich konnten wir den Fluss zwischen den Bäumen erspähen – wir hatten es geschafft!! Zwei Tage und eine Nacht im Dschungel, was für ein cooles Gefühl! Das Boot, das uns zurück nach Kuala Tahan brachte, war auch schon dort. Dieses Mal nahm der Fahrer alle Stromschnellen des Flusses mit und wir kamen nach 20 Minuten Fahrt klatschnass im Dorf an. Mit einem Bier stießen wir mit unseren Mitstreitern auf unsere erfolgreiche Tour an, bevor wir ganz dringend unter die Dusche springen wollten! Nachdem der Dusche und einem Abendessen mit Flussblick fielen wir müde, aber zufrieden in unser weiches Bett!

Mit der Aussicht auf entspannte Tage am Strand auf der Insel Tioman verließen wir Kuala Tahan am nächsten Morgen!


Unser Fazit zu Taman Negara: Für uns wird diese Dschungelerfahrung ein Highlight unserer Reise bleiben und es war absolut lohnenswert! Die Vorstellung durch einen so alten Regenwald zu wandern, auf Pfaden auf denen auch wilde Tiere unterwegs sind, ist irgendwie verrückt! Die 7-Tagestour die man dort auch machen kann, wäre uns aktuell aber zu krass! 😀 Gerne hätten wir noch den Canopy Walk, der war zu dieser Zeit aber gesperrt oder einen kürzeren Trail ohne Guide gemacht (besser vor der 2-Tagestour erledigen, danach fehlte uns die Motivation😉).