Ipoh

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Auf heißen Reifen nach Ipoh

Unser nächstes Ziel war das 100 km von den Cameron Highlands entfernte Städtchen Ipoh. Diese Strecke legten wir mit dem Bus zurück. Unser Busfahrer entpuppte sich (mal wieder) als Rennfahrer. Er bretterte in einem irren Tempo und mit waghalsigen Überholmanövern die kurvige Straße nach Ipoh. So fuhren wir auf einer vierspurigen Straße trotzdem manchmal auf der äußeren Spur der Gegenfahrbahn, um einen „langsam“ Überholenden zu überholen. An die Fahrweise der Busfahrer in Asien muss man sich wohl gewöhnen und hoffen, dass die Herren auch wieder wohlbehalten zu ihren Familien zurückkommen möchten. Wir kamen glücklicherweise gut am Busbahnhof in Ipoh an und wurden direkt von tropischen Temperaturen begrüßt. Der Busbahnhof liegt 12km außerhalb. Es gibt aber Stadtbusse, mit denen man ohne Probleme in die Innenstadt kommt. Netterweise zeigte uns unser Busfahrer direkt den richtigen Stadtbus, der uns ins Zentrum brachte.

Nachdem wir in unserem Hostel eingecheckt und eine kleine Runde durch die Altstadt gedreht hatten, stand für uns fest, dass uns drei Tage nicht ausreichen würden und wir noch etwas länger bleiben wollen. Da wir in unserem ersten Hostel nicht verlängern konnten, buchten wir weitere drei Nächte in einem anderen Hostel. Das zweite Hostel war total cool, jeder hatte eine eigene kleine „Koje“ und es gab eine gut ausgestattete Gemeinschaftsküche (so konnten wir seit Reisebeginn endlich mal wieder kochen!).

Wenn wir jetzt an Ipoh denken, leuchten unsere Augen immer noch. Wir hatten dort einfach eine super Zeit und fühlten uns pudelwohl in der Stadt. Sie liegt etwas abseits der ausgetretenen Touristenpfade und steht ein bisschen im Schatten von Georgetown (Malaysia). Georgetown ist vor allem für seine Altstadt, die Streetart und das Streetfood bekannt. Ipoh hat auch eine gemütliche Altstadt und viel Streetart zu bieten, ist aber deutlich ruhiger als Georgetown!

Unser Lieblingscafe

Gleich an unserem ersten Tag in Ipoh hatten wir unser absolutes Lieblingscafe gefunden! Hier waren wir fast jeden Tag! Die Getränke dort wurden mit viel Liebe zubereitet und waren fantastisch und die Angestellten waren so freundlich! Wir kamen mit ihnen ins Gespräch und sie gaben uns ein paar Tipps für Ipoh und die Umgebung. Zufällig sahen wir auf Instagram, dass an einem unserer Tage in Ipoh eine kostenlose Kaffeeverkostung im Cafe stattfinden sollte. Wir beschlossen daran teilzunehmen und hatten einen tollen Vormittag. Es war super interessant, es gab einige sehr verschiedene Sorten und Röstungen zu probieren und selbst für mich, Fabian, war der ein oder andere ganz gute Kaffee dabei (ich bin eigentlich gar nicht der Kaffeetrinker)!

Die Altstadt von Ipoh

Die Altstadt von Ipoh ist einfach schön und gemütlich. Besonders die kleinen Seitengassen und die bunten Kolonialbauten versprühen ganz viel Charme. Wir haben hier sehr viele Fotos geschossen, da an jeder Ecke ein neues, tolles Motiv auftauchte. Außerdem findet man immer wieder kleine Cafes oder Restaurants. Bekannte und besonders beliebte Fotomotive sind die Market Lane und die Concubine Lane, was wohl an den vielen bunten Regenschirmen liegt, die über einem Teil der Straße aufgehängt wurden. In der Concubine Lane herrschte vor allem tagsüber dichtes Gedränge, da dort einige Souvenirshops und Essensstände aufgebaut waren.

Einen Abend verbrachten wir in einer tollen „Hidden Bar“, den Tipp hatten wir von den Mitarbeitern in unserem Lieblingscafe bekommen (Hidden Bars im Speakeasy-Stil scheinen gerade ein bisschen im Trend zu liegen in Malaysia). Das Speakeasy-Motto war in dieser Bar cool umgesetzt. Der Eingang der Bar lag versteckt auf der Hinterseite des Hauses, in der Straße deutete fast nichts auf die Bar hin. Am Eingang wurden wir von einem Kellner in Empfang genommen und standen erstmal in einem Vorraum, der an eine Abstellkammer erinnerte. Er führte uns in die spärlich beleuchtete Bar, die nicht sehr groß, aber sehr stilvoll eingerichtet war. Im Fokus stand der Tresen und im Hintergrund lief Electroswing. Es gab eine kleine Cocktailkarte und jeder Cocktail war ein kleines Kunstwerk. Hier stimmte einfach alles und wir hatten einen richtig schönen Abend!

Street Art in Ipoh

In Ipoh haben sich einige Künstler an den Hauswänden verewigt. Besonders bekannt sind die Bilder des Künstlers Ernest Zacharevic, der gerne Bilder mit Alltagsgegenständen verbindet. Seine bekanntesten Kunstwerke findet man in Georgetown, aber auch in Ipoh gibt es einige tolle Motive. Die meisten Bilder sind in der „Mural Art’s Lane“ und in der Altstadt zu finden. Die Suche nach den unterschiedlichen Bildern ist wie eine Schnitzeljagd und ist eine witzige Art eine Stadt zu entdecken. So entdeckten wir immer wieder neue Bilder, während wir uns durch die Gassen der Altstadt treiben ließen. Bei jedem neuen Bild hieß es dann wieder: „Oha schau mal da! Da ist schon wieder eins!“.

Die Höhlentempel von Ipoh

Etwas außerhalb des Stadtzentrums befinden sich einige chinesische Höhlentempel, die wir auch besichtigten. Das schafft man locker an einem Tag. Am besten erreicht man die Tempel mit einem Grab-Fahrer.

Gut gefallen hat uns der Sam Poh Tong Tempel. Der Außenbereich vor der Höhle war bereits schön angelegt. Die Höhle selbst war relativ klein und hat uns nicht ganz so beeindruckend, aber das Highlight wartete am Hinterausgang. Hier gelangt man in eine Art Innenhof, der von den Felsen geformt wird. In dem Innenhof befindet sich ein weiteres großes Tempelgebäude. Neben diesem Tempel sind zwei weitere Tempel, die man zu Fuß erreichen kann. Diese fanden wir ganz nett, haben uns aber nicht vom Hocker gerissen. Dazu war es ziemlich voll und es herrschte ein Geschiebe und Gedränge in den Höhlentempeln. Wir hatten uns nicht den besten Tag für die Besichtigungen ausgesucht, soweit wir uns erinnern, war es ein Feiertag oder ein Wochenende in den Schulferien.

Der letzte und größte Höhlentempel, den wir besichtigten, war der Kek Lok Tong Tempel. Die Kalksteinhöhle ist riesig und beherbergt einige große Buddha-Statuen sowie schöne Tropfsteinformationen. Als wir die Höhle durchquert hatten, gelangten wir durch einen Ausgang in einen schön angelegten Park. Wir schlenderten ein bisschen durch den Park und da es sehr warm war, entspannten wir auch ein bisschen im Schatten eines kleinen Pavillons. Die Aussicht konnte man jedoch nur in eine Richtung wirklich genießen, da in der anderen Richtung chemische Industrie die Sicht einnahm.

Kellie’s Castle

Anschließend entschieden wir uns weiter zu Kellie’s Castle zu fahren (davon hatten uns auch die Mitarbeiter unseres Lieblingscafes erzählt). Uns wurde erzählt, dass es sich um eine Schlossruine handelt in der es Spuk. Einen Grab-Fahrer hatten wir schnell gefunden, der uns zu der noch etwas weiter außerhalb gelegenen Ruine fuhr. Wir hatten eventuell eine falsche Vorstellung, denn wir hatten das Bild einer Schlossruine im Kopf, aber als wir ankamen, mussten wir feststellen, dass es sich um eine Hausruine im „Burg-Stil“ handelte und kleiner war, als gedacht. Das Haus wurde von einem Schotten gebaut, der zu Kolonialzeiten nach Malaysia auswanderte. Er versuchte sich an verschiedenen Geschäften, hatte allerdings viel Pech und verlor sein Vermögen mehrmals. Er baute das Haus, um seiner Frau ein bisschen Heimat zu bieten und die restliche Gesellschaft in der Umgebung zu beeindrucken. Es sollte sogar einer der ersten elektrischen Aufzüge Malaysias eingebaut werden. Hierfür reiste er extra nach Portugal, wo er überraschend an einer Lungenentzündung starb. Seine Frau und Kinder zogen schon einige Jahre vor seinem Tod nach England zurück, weshalb seine Familie das halb-fertige Haus nach seinem Tod verkaufte. Das Haus verfiel mit der Zeit und Mythen wurden verbreitet, dass es dort spuken soll.

Mittlerweile ist die Ruine eine Touristenattraktion und dient vor allem als Fotolocation! Es war ganz witzig ein bisschen durch die Ruine zu wandern, ein paar Fotos zu schießen und den Ausblick vom Dach zu bestaunen (abgesichert war dort natürlich nichts!). Einen Grab-Fahrer für den Rückweg nach Ipoh zu finden, stellte sich dann als etwas schwieriger heraus, aber nach ca. 30 Minuten hatten wir Glück und fanden einen Fahrer, der uns zurückfuhr.

Dann hieß es wieder Rucksäcke packen, denn für den nächsten Vormittag hatten wir Bustickets für die Fahrt nach Georgetown auf der Insel Penang gekauft.


Unser Fazit zu Ipoh: Das kleine Städtchen Ipoh ist wahnsinnig toll und wir haben uns dort pudelwohl gefühlt! Vor allem die Altstadt ist süß und es macht Spaß die kleinen Gassen und die Street Art Kunstwerke zu entdecken. Für ein Päuschen zwischendurch findet sich an jeder Ecke ein schönes Cafe oder ein leckeres Restaurant! Auf einer Malaysia-Reise ist Ipoh unserer Meinung nach ein Muss!


Weitere Eindrücke