Cha Am

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Ein typisch thailändischer Urlaubsort

Ihr habt bisher noch nie etwas von Cha Am gehört? Das ist gar nicht schlimm, wir hatten bis zwei Tage vor unserer Ankunft in Cha Am auch noch nichts von der Stadt gehört! Es ist kein geheimer Insidertyp und man muss hier auch nicht gewesen sein, aber für uns war es der Ausgangspunkt für ein besonderes Erlebnis! Dazu aber nachher mehr.

Jetzt kommen wir erstmal zu unserem Hostel, denn das war ein richtiger Glücksgriff! Hier verbrachten wir mehr Zeit, als am Strand von Cha Am, der war für uns nämlich nicht so der Knaller, da er ziemlich „thailändisch“ gestaltet war. Unser Hostel befand sich im obersten Stockwerk (17. Stock) eines Hochhauses an der Strandpromenade und der Ausblick auf das Meer und die Umgebung war der Hammer! Außerdem war es ziemlich gemütlich eingerichtet, im Stil einer großen Dachgeschosswohnung mit gemütlichen Gemeinschaftsbereichen und einer riesigen Dachterrasse! Es sah alles ein bisschen so aus, als wurde es als Co-Working/Living Space eingerichtet, aber nie wirklich dafür genutzt. Doch hier ließ es sich aushalten! Nach Cha Am verirren sich nur wenige westliche Touristen, weshalb die örtliche Tourismusbranche auf die einheimischen Touristen eingestellt ist. Diesen ist wichtig, dass man mit den Autos direkt am Strand parken kann, Sonne wird gemieden (helle Haut ist total im Trend) und am Strand liegen ist langweilig, daher werden unter großen Sonnenschilden (sehr viele ineinander verkeilte Sonnenschirme) Stühle und Tische dicht an dicht zusammengestellt. Hier wird getrunken, gegessen und gequatscht. Frauen in Bikini sieht man nicht, da sind die Thaifrauen eher konservativer eingestellt. Nicht die besten Voraussetzungen für ein entspanntes Sonnenbad am Strand, aber da wir im Anschluss einige entspannte Strandtage auf zwei Inseln geplant hatten, war das nicht schlimm! Und so genossen wir, trotz der nicht so schönen Strandatmosphäre, ein paar Tage die angenehme Brise auf der Dachterrasse im 17. Stock.

„No elephant riding!“

Aber wieso legten wir in Cha Am überhaupt einen Stopp ein? Wir wollten gerne eine Elefantenauffangstation besuchen. Diese gibt es in Thailand wie Sand am Meer. Bis vor ein paar Jahren war das Reiten auf Elefanten ein großer Touristenmagnet und das ist es immer noch, aber mittlerweile spricht sich unter den Touristen herum, dass das nicht gesund für die Tiere ist und diese meist unter fragwürdigen Bedingungen gehalten werden. Viele Organisationen haben das erkannt und werben nun mit dem Slogan „no elephant riding!“, aber in einigen Fällen heißt das nicht, das die Elefanten nun unter besseren Bedingungen gehalten werden. So eine Organisation wollten wir ungerne unterstützen und stießen bei unserer Recherche auf eine Organisation in der Nähe von Cha Am (aus werberechtlichen Gründen können wir den Namen hier nicht nennen). Hier hat man sich auf die Fahne geschrieben, allen Tieren zu helfen, die in Not sind und sofern möglich, diese auch wieder in die Wildnis zu entlassen! Mittlerweile leben dort ca. 600 verschiedene Arten, von Affen, Bären, Reptilien über Vögel und natürlich Elefanten.

Die meisten der dort lebenden Tiere stammen aus Gefangenschaft, sie wurden z.B. für Touristenattraktionen oder auch in privaten Haushalten gehalten. Viele der Säugetiere, wie z.B. die Elefanten und Bären, können nicht mehr in die Wildnis entlassen werden, da sie verlernt haben wilde Tiere zu sein und zu sehr an den Menschen gewöhnt sind. Andere exotische Arten sind nicht in Thailand heimisch und können schon deshalb nicht ausgewildert werden.

Besuch der Organisation

Wir hatten eine Ganztagestour gebucht und wurden am Morgen bei unserem Hostel in Cha Am abgeholt. Nach einer Stunde Fahrt erreichten wir das riesige Gelände der Organisation und wurden am Hauptgebäude abgesetzt. Von der Terrasse aus konnten wir das erste große Gehege überblicken, in dem acht Elefanten leben. Wenn sie Lust haben, kommen sie gerne auch mal zur Terrasse und luschern mit ihrem Rüssel über die Mauer. Nach und nach trudelten weitere Besucher ein, sodass am Ende ca. 50 Leute dort waren. Wir wurden in zwei Gruppen eingeteilt und fuhren mit unserem Guide zu dem ursprünglichen Teil der Anlage, der auf Tempelgelände erbaut ist und wo derzeit noch die meisten Tiere leben. Die Organisation hat ein neues Stück Land erworben, um mehr Platz und Unabhängigkeit zu bekommen. Aktuell werden auf dem neuen Land Gehege gebaut und in diesem Zuge wird damit begonnen die Tiere umzuziehen.

Die tierischen Bewohner

Wir starteten unseren Rundgang und unser Guide erzählte uns die traurigen Geschichten der Tiere und aus welchen Umständen sie gerettet wurden. So leben dort zum Beispiel ein paar Bären, die in sog. Bärenfarmen gehalten und als „Gallen-Bären“ genutzt wurden. Die Bärengalle wird in der traditionellen chinesischen Medizin unter anderem bei Leberbeschwerden eingesetzt. Die Bären leben auf den Farmen in engen Käfigen und werden zwei Mal täglich „gemolken“. Hierbei wird die Galle ohne Betäubung über einen implantierten Katheter am lebenden Tier gewonnen. In einem Käfig wird ein Bär gehalten und die Käfige sind meist so eng, dass sich die Bären in ihnen so gut wie nicht bewegen können. Der in der Galle enthaltene Wirkstoff kann heutzutage synthetisch hergestellt werden.

Viele der dort lebenden Affen wurden als Touristenattraktionen verwendet und posierten mit zahlreichen Urlaubern auf Erinnerungsfotos. Diese Affen wurden dann auch gerne gefüttert, häufig mit Süßigkeiten und Softdrinks. Ist ja witzig ein Bild mit einem Affen zu haben, der aus einer Cola-Dose trinkt! Dass das genauso ungesund für Affen ist wie für Menschen und sie dadurch fett und krank werden, scheint den meisten, die Bilder dieser Art schießen, nicht so wichtig zu sein. Die Umstände, unter denen die Affen gehalten werden, sind meist alles andere als artgerecht.

Wir sahen auch viele exotische, in Thailand nicht heimische Tiere, die von Privatpersonen auf dem Schwarzmarkt erworben wurden und sich als doch nicht so geeignete Haustiere herausstellten. In vielen Fällen werden diese Tiere dann bei Tempeln abgegeben, da die Mönche sich verpflichtet haben, allen Lebewesen in Not zu helfen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist uns die Geschichte eines Vogels, genauer gesagt eines Kasuars. Dabei handelt es sich um eine in Australien beheimatete Art, die mit ihrer Größe von 1,5 bis 2 Metern, ihren riesigen Klauen und trotz dem Umstand, dass sie nicht fliegen kann, als die gefährlichste Vogelart der Welt gilt. Der Vogel wurde auf dem Schwarzmarkt verkauft. Sein Besitzer gab ihn dann nach einer Weile in einem Tempel ab und er lebte 7 Jahre bei den Mönchen, die sich so gut sie konnten, um ihn kümmerten, bis er ausbüxte und durch ein Dorf spazierte. Sehr verängstigt riefen die Dorfbewohner bei der Organisation an und berichteten von einem Dinosaurier, der durch das Dorf spazierte und es zu Kleinholz verarbeitete. Als die Mitarbeiter im Dorf ankamen, hatten die Bewohner den Vogel leider schon mit Stöcken geschlagen, unter anderem auf den Kopf. Dabei wurde sein Gehirn geschädigt, weshalb sein Temperaturempfinden und Hungergefühl gestört sind.

Die Elefanten!

Alle dort lebenden Elefanten stammen aus Gefangenschaft und wurden entweder als Arbeitstiere oder in Touristencamps eingesetzt. Die Elefanten aus den Touristencamps haben Jahre lang viel zu viele Touristen und die schweren Holzsänften auf ihrem Rücken getragen. Der Rücken der Tiere ist deshalb häufig deformiert und die Beine sind geschädigt, da ihr Körperbau nicht für solche Gewichte auf ihrem Rücken ausgelegt ist. Am traurigsten ist aber wie die Elefanten gefügig gemacht werden, denn ein wilder Elefant würde Menschen niemals so nah an sich heranlassen und ihnen gehorchen. Dafür durchlaufen sie als Jungtiere einen qualvollen Prozess, um ihren Willen zu brechen. Das ist nichts anderes als Folter, denn sie werden für Wochen in kleine Käfige gesperrt, mit Stöcken geschlagen und gestochen und bekommen nur sehr wenig Futter, bis sie gebrochen sind. Danach bekommen sie einen Menschen, der Mahout, zugeordnet, der sich mit eiserner Hand um den jungen Elefanten kümmert.

Nach dem Mittagessen durften wir dann in einer kleinen Gruppe einen Elefanten etwas näher kennenlernen. Auch diese Elefantendame durchlief diesen Prozess und könnte in der Wildnis nicht überleben, da sie nie gelernt hat, ein Elefant zu sein. Wir durften sie mit Obst füttern. Einzeln stellten wir uns vor sie und legten eine Banane auf unsere Handfläche, zügig aber vorsichtig griff sie mit ihrem Rüssel nach der Banane und steckte sie sich in den Mund. Es war ein aufregendes Gefühl diesem großen, sanftmütigen Tier gegenüber zu stehen. Danach durften wir sie mit Wasser abspritzen und konnten das erste Mal Elefantenhaut spüren. Fest und rau fühlte sie sich an und die Haare hart und borstig. Währenddessen stand sie ganz ruhig da und genoss ihr Bad (hoffentlich).

Was haben wir von unserem Ausflug mitgenommen?

Man versucht den Tieren dort ein möglichst eigenständiges und freies Leben zu ermöglichen und zu vermitteln, dass sie keine Angst mehr haben müssen und zu nichts gezwungen werden. Dazu gehört auch, den Kontakt zu Menschen soweit wie möglich einzuschränken. Aus diesem Grund waren wir mit die letzten Besucher, die den Elefanten noch so nahe kommen durften. Es kann aber trotzdem beobachtet werden, dass einige Tiere bestimmte Verhaltensmuster nicht mehr ablegen können, so sitzen die Bären zum Beispiel häufig in der gleichen Ecke und bewegen sich kaum, da sie es von den engen Käfigen gewohnt sind, einige Affen ziehen eine Show ab, sobald Menschen vorbeilaufen und ein Orang-Utan winkt den Menschen, weil ihm das antrainiert wurde.

Zum Abschluss wurde uns ein Teil des neuen Geländes gezeigt, das unter anderem mit den Einnahmen der Tagestouren finanziert wird. Die Gehege dort sind deutlich größer und bieten den Tieren mehr Platz und noch bessere Rückzugsmöglichkeiten.

Insgesamt war es ein spannender Tag und wir konnten die Leidenschaft der Mitarbeiter und Freiwilligen, die dort arbeiten, spüren. Ziel ist es ein Bewusstsein zu schaffen, dass wilde Tiere wild bleiben sollten und solche Attraktionen, wie Elefantenreiten, nicht unterstützt werden sollten – Das ist den Mitarbeitern gelungen! Wir fanden aber, dass 50 Besucher an einem Tag fast etwas viel war.

Tschüss Cha Am!

Mit dem Besuch der Organisation ging unsere Zeit in Cha Am zu Ende und wir machten uns am nächsten Tag mit dem Zug, mal wieder in der 3. Klasse, auf den Weg nach Chumpon. Für die 300km benötigten wir fast sieben Stunden. Ich (Sandra) hatte ja ein bisschen (Kommentar Fabi: „Ein „bisschen“ ist fast ein wenig untertrieben“) Sorge, ob wir das überstehen würden, doch die Sorgen stellten sich als unbegründet heraus und die Fahrt war sehr entspannt und fast schwitzfrei. In Chumpon verbrachten wir nur die Nacht, aßen das beste Pad Thai unserer Thailand-Reise und unterhielten uns lange mit einer Thailänderin in unserem Alter. Am nächsten Morgen ging es dann mit der Fähre auf die Insel Koh Tao. Endlich Sonne, Strand und Meer!;)


Weitere Eindrücke