Chiang Mai

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Mit dem Songthaew in die Stadt

Nach der 9-stündigen, aber recht entspannten Busfahrt kamen wir gegen Abend am Busbahnhof von Chiang Mai an. Noch während wir ausstiegen, wurden uns von den aufdringlichen Taxifahrern die ersten Preisvorschläge für eine Fahrt in die Innenstadt unterbreitet (400THB!). Diese „interessanten“ Mitfahrgelegenheiten lehnten wir jedoch dankend ab, da wir unsere Hausaufgaben für Chiang Mai während der Fahrt gemacht hatten. So macht es vor der Ankunft in einer neuen Stadt durchaus Sinn zu recherchieren, wie hoch die Fahrtkosten ungefähr sind, um eine gute Verhandlungsbasis zu haben (dabei kann Grab sehr hilfreich sein, auch wenn wir am Busbahnhof auf ein riesiges Schild verwiesen wurden, auf dem Stand, dass Grab hier illegal sei). In Chiang Mai sind die sog. Songthaew die öffentlichen Hauptverkehrsmittel. Das sind Sammeltaxis, die man einfach anhalten kann. Wenn sie halten, sagt man dem Fahrer sein Ziel, liegt das Ziel auf der Route, muss man nur noch den Preis verhandeln. Hat alles geklappt, steigt man ein und bezahlt beim Verlassen des Taxis (der Preis liegt ungefähr bei 30-50 THB pro Person pro Fahrt). Ist man sich nicht einig geworden, hält man einfach das nächste Songthaew an. Vor den Toren des Busbahnhofes war direkt der erste Fahrer bereit uns für 50 THB pro Person zu unserer Unterkunft zu bringen.

Die Tage in der Nimmanhaemin Road

Da wir nun ein paar Tage früher als geplant in Chiang Mai angekommen waren und das Songkran-Wochenende (das thailändische Neujahrsfest) unbedingt hier verbringen wollten, hatten wir für die ersten drei Nächte eine Unterkunft in einem besonders hippen Viertel vor den Toren von Chiang Mais Altstadt gebucht. 

Die Tage bis Songkran ließen wir entspannt angehen und erkundeten das Viertel. Hier gibt es viele hippe Cafés, Restaurants und Bars, die willkommene Zufluchtsorte bei den heißen Temperaturen waren. Auch die Universität von Chiang Mai befindet sich in diesem Viertel. Zudem ist die Gegend sehr beliebt bei digitalen Nomaden und Expats. Wir gönnten uns das eine oder andere „instagramable“ und leckere Frühstück in verschiedenen Cafés. Nach der langen Busfahrt und dem ständigen Laufen durch die sengende Hitze führte uns unser Weg auch zu einer mehr oder weniger entspannten Thai-Massage. Danach waren alle Strapazen der vorherigen Tage vergessen. Auf einem unserer Streifzüge machten wir Bekanntschaft mit dem für uns besten Snack in Thailand – Roti mit Banane und Nutella. Wir starteten zwar mit dem schlechtesten Roti den wir in ganz Thailand essen sollten, aber der Grundstein für viele weitere Rotis war gelegt.

Während unserer Tage in der Nimmanhaemin Road war es (in dem wohl sonst sehr lebendigen Viertel) sehr ruhig. Wir vermuteten, dass die meisten Thais aufgrund der Feiertage schon bei ihren Familien waren, da zu Songkran die meisten Thais in ihre Heimat fahren. Außerdem werden die Monate von Februar bis Mai als „Burning Season“ bezeichnet und viele der digitalen Nomaden, die ortsunabhängig arbeiten können, verlassen die Stadt für diese Zeit, um an angenehmeren Orten zu arbeiten. Der Name „Burning Season“ kommt von Waldbränden, die während der Trockenzeit vermehrt auftreten und dem Verbrennen von Pflanzenüberresten auf den Mais- und Reisfeldern durch die Bauern, um diese für die neue Saison vorzubereiten. Aufgrund des fehlenden Regens und des durch die Brände entstehenden Rauchs ist die Luftqualität während dieser Monate zum Teil sehr schlecht und an vielen Tagen sieht man die Berge, die Chiang Mai umgeben, wegen des Smogs kaum. Die Zeit ist also eigentlich nicht die beste Reisezeit für Nordthailand. Gegen Ende April soll es sich mit den ersten Regenfällen dann langsam bessern.

Die Altstadt von Chiang Mai

Chiang Mai ist das kulturelle Zentrum Thailands und beherbergt eine Vielzahl an Tempeln. Diese sind vor allem in der Altstadt, dem Herzen der Stadt, zu finden. Der Teil der Stadt ist quadratisch angelegt und von einem Fluss und den Überresten der Stadtmauer umgeben. Die Altstadt wird von einigen großen Straßen durchzogen, die parallel zu der quadratischen Anlage verlaufen. Von diesen großen Straßen gehen kleinere Seitenstraßen ab, die sich immer weiter verästeln und von denen man mit Glück wieder zu einer großen Straße gelangt. Durch die vielen kleinen Gässchen und dadurch eher geringem Verkehrsaufkommen wirkt es gemütlich und entspannt. Mit einer Altstadt im europäischen Sinn hat es jedoch nur entfernt etwas zu tun. Altstadt beschreibt in Chiang Mai einfach den ursprünglichen Stadtkern.

Auch die Altstadt haben wir vor Songkran erkundet und dabei den einen oder anderen Tempel besichtigt und einen kleinen Park entdeckt. In diesem Park gab es für ein paar Cent eine Bambusmatte zu leihen. Wir nahmen das Angebot dankend an und legten uns an einen Teich im Park. Gegen Abend wurde es richtig voll und viele Thais kamen, um ihr Sportprogramm zu absolvieren, sei es Joggen, Aerobic-Kurs, Ballsport oder Trimm-Dich-Pfad.

Songkran-Das thailändische Neujahrsfest

Am Freitag vor Songkran bezogen wir unser neues Hotel mitten in der Altstadt. Das Hotel gefiel uns ziemlich gut, die Angestellten waren sehr freundlich und im Innenhof gab es einen sehr schönen Pool.

Aber was ist Songkran überhaupt? Das ist das thailändische Neujahrsfest, wird auch Wasserfest genannt und geht über drei Tage. In Städten wie Chiang Mai oder Bangkok ist es hauptsächlich eine riesige, dreitägige Wasserschlacht, in kleineren Städten werden eher kulturelle Traditionen gepflegt. Eines bekamen wir immer zu hören: „Ihr werdet nicht trocken bleiben, es sei denn ihr sperrt euch in eurem Hotelzimmer ein.“ Und das stimmte, sobald man das Hotel verließ, lauerte an jeder Ecke Gefahr. Die meisten Familien stellten große mit Wasser gefüllte Tonnen vor ihren Häusern auf und bespritzten jeden der vorbeikam, wenn man Glück hatte nur mit Wasserspritzpistolen, wenn man Pech hatte mit Eimern! Viele verwenden nicht mehr nur das warme Wasser aus der Leitung, sondern kaufen extra große Eisklötze, um damit das Wasser in den Tonnen zu kühlen, da es viel mehr Spaß macht, die Leute mit kaltem Wasser vollzuspritzen. Wir haben schnell gemerkt, so ganz ohne „Bewaffnung“ ist es sehr langweilig, weshalb wir uns eine Wasserspritzpistole besorgten, immerhin Second Hand (viele der Wasserspritzpistolen landeten nach den drei Tagen leider im Müll oder am Straßenrand). Damit konnten wir uns dann wenigstens wehren! Die meisten Leute waren so freundlich und teilten ihr Wasser gerne, sodass man immer irgendwo nachfüllen konnte!

Auch die Besitzer unseres Hotels feierten scheinbar sehr gerne und hatten in der Einfahrt eine Wassertonne aufgebaut, in die fast den ganzen Tag Wasser nachgefüllt wurde. Obwohl das Hotel eher etwas abgelegen war, war dort immer etwas los. Während wir die vorbeilaufenden und -fahrenden Personen mit dem unbegrenzten Nachschub nass spritzten, unterhielten wir uns mit einigen anderen Gästen. Mit diesen zogen wir wenig später auch durch die Straßen, auf der Suche nach etwas Abwechslung. Besonders an den großen Straßen und der Hauptstraße, die um die Altstadt verläuft, war sehr viel los und es fand eine Art Parade statt. Vor allem Jeeps wälzten sich an den Menschenmassen am Straßenrand vorbei, die Ladeflächen voll mit Menschen und Wassertonnen, dazwischen schlängelten sich immer wieder Rollerfahrer, TukTuks und Songthaews durch, welche besonders beliebte Ziele waren! Fotografieren war nur mit Actioncam möglich, denn selbst auf Leute mit Handys/ Kameras in den Händen oder großen Backpacks wurde kaum Rücksicht genommen!

Nachdem wir einige Zeit durch die Straßen gezogen sind, waren wir komplett durchnässt und man mag es kaum glauben, aber selbst bei 35°C Außentemperatur fingen wir irgendwann an zu frieren! Den ersten Tag fanden wir ziemlich witzig, aber ein Tag hätte uns eigentlich auch gereicht und wir wollten danach gerne trocken bleiben (zumindest solange wir Kleidung anhatten)! Da das nur möglich war, wenn man das Hotel nicht verließ, relaxten wir einfach die meiste Zeit am Hotelpool! 😉 Am dritten Tag ließen wir uns von der Managerin des Hotels noch einmal überreden uns mit ihr und einigen weiteren Angestellten in die Wasserschlacht zu stürzen.

Sobald es dunkel wurde, wurde auf den Straßen kaum noch Wasser verspritzt. Die meisten Jungen oder Junggebliebenen zogen dann in die Bars und Clubs der Stadt. Auch wir verbrachten einen Abend in einem OpenAir-Club und trafen dort im „Biergarten“ ein amerikanisches Pärchen, mit dem wir uns sehr gut unterhielten. Die tanzende Menge auf der Tanzfläche nebenan, wurde währenddessen ununterbrochen mit einer Beregnungsanlage durchnässt! Wir sind zum Glück fast trocken geblieben! Sightseeing ist während dieser Zeit eigentlich fast unmöglich!
Nach den drei Tagen war der Spuk so gut wie vorbei und wir machten uns früh am Morgen auf den kurvenreichen Weg nach Pai!


Weitere Eindrücke